AdA-Schein (AEVO): Warum eine gute Ausbildung mehr als Fachwissen braucht

AdA-Schein (AEVO): Warum eine gute Ausbildung mehr als Fachwissen braucht

Wer andere Menschen ausbilden möchte, braucht mehr als fundiertes Fachwissen. Ein guter Ausbilder muss Wissen verständlich vermitteln, Lernprozesse begleiten, Feedback geben, motivieren und auf unterschiedliche Bedürfnisse eingehen können. Genau hier setzt der AdA-Schein nach der Ausbildereignungsverordnung (AEVO) an.

Die AEVO definiert die berufs- und arbeitspädagogischen Kompetenzen, die Ausbilderinnen und Ausbilder benötigen, um eine Ausbildung professionell zu planen, durchzuführen und erfolgreich abzuschließen.

Was ist der AdA-Schein (AEVO)?

Der Begriff AdA-Schein steht für „Ausbildung der Ausbilder“. Die entsprechende Qualifikation wird über die Ausbildereignungsprüfung nach AEVO nachgewiesen. Sie vermittelt nicht nur theoretisches Wissen, sondern vor allem pädagogische, methodische, rechtliche und organisatorische Kompetenzen für die betriebliche Ausbildung.

Die AEVO gliedert die Anforderungen in vier Handlungsfelder:

  1. Ausbildungsvoraussetzungen prüfen und Ausbildung planen
  2. Ausbildung vorbereiten und bei der Einstellung von Auszubildenden mitwirken
  3. Ausbildung durchführen
  4. Ausbildung abschließen

Damit bildet die AEVO den gesamten Ausbildungsprozess ab — von der Planung bis zur erfolgreichen Entwicklung des Auszubildenden.

Warum Fachwissen allein nicht ausreicht

Ein Experte auf seinem Fachgebiet ist nicht automatisch ein guter Ausbilder.

Ein Softwareentwickler kann beispielsweise hervorragende Programmierkenntnisse besitzen. Das bedeutet jedoch nicht automatisch, dass er einem Auszubildenden komplexe Programmierkonzepte verständlich erklären kann.

Ausbildung bedeutet deshalb mehr als „Ich weiß, wie es geht“. Es geht darum, andere Menschen dazu zu befähigen, es selbst zu verstehen und anzuwenden.

Dafür braucht ein Ausbilder unter anderem:

  • pädagogisches Verständnis
  • Kommunikationsfähigkeit
  • geeignete Ausbildungsmethoden
  • Geduld und Empathie
  • Fähigkeit zur Motivation
  • konstruktives Feedback
  • Konfliktlösungskompetenz
  • Verständnis für unterschiedliche Lernvoraussetzungen
  • Kenntnisse über rechtliche Rahmenbedingungen

Die IHK München beschreibt die AEVO deshalb ausdrücklich als Nachweis pädagogischer, rechtlicher, organisatorischer, psychologischer und methodischer Kompetenzen.

Gute Ausbildung beginnt mit guter Planung

Bevor ein Auszubildender seine erste Aufgabe übernimmt, muss die Ausbildung sinnvoll geplant werden.

Dazu gehört beispielsweise die Frage:

Welche Kompetenzen soll der Auszubildende wann entwickeln?

Ein professioneller Ausbildungsplan schafft Orientierung für beide Seiten. Der Auszubildende weiß, welche Erwartungen bestehen, während der Ausbilder den Lernfortschritt gezielt begleiten kann.

Im ersten und zweiten Handlungsfeld der AEVO geht es deshalb unter anderem um Ausbildungsbedarf, Ausbildungsberufe, betriebliche Voraussetzungen, Ausbildungsplanung, Auswahl von Auszubildenden und organisatorische Rahmenbedingungen.

Ausbildung bedeutet: Lernen ermöglichen

Ein moderner Ausbilder ist nicht nur jemand, der Aufgaben verteilt und anschließend kontrolliert.

Viel wichtiger ist die Frage:

Wie kann ich eine Lernumgebung schaffen, in der ein Auszubildender selbstständig Kompetenzen entwickelt?

Der aktuelle AEVO-Rahmenplan legt deshalb einen stärkeren Fokus auf handlungsorientiertes Lernen, Lern- und Arbeitsaufträge, projektorientiertes Arbeiten und die Begleitung von Lernprozessen. Auch Themen wie Digitalisierung, Nachhaltigkeit, Gesundheit und der Umgang mit unterschiedlichen Voraussetzungen spielen eine größere Rolle.

Das verändert die Rolle des Ausbilders: Vom reinen „Unterweiser“ hin zum Lernbegleiter, Coach und Ansprechpartner.

Unterschiedliche Menschen brauchen unterschiedliche Lernwege

Nicht jeder Auszubildende lernt gleich.

Manche Menschen verstehen neue Inhalte schnell durch praktische Aufgaben. Andere benötigen zunächst eine ausführliche Erklärung oder ein konkretes Beispiel. Wieder andere lernen besonders gut, wenn sie selbst ausprobieren und Fehler machen dürfen.

Ein guter Ausbilder erkennt diese Unterschiede und passt seine Methoden entsprechend an.

Comments

Popular posts from this blog

Berufspädagoge (IHK): Der Weg zur Führungsrolle im Bildungsmanagement

AdA-Schein (AEVO): Der komplette Leitfaden für angehende Ausbilder

Microlearning im Unternehmen: Warum kurze Lerneinheiten die Zukunft sind